La Réunion
Zuckerrohr, so hoch, dass Straßenschilder und Bushaltestellen darin verschwinden: im Wind rauschende, wiegende Felder. Riesenhalme, die sich wie Baldachine über die Serpentinen neigen. Und keine Straße, auf der nicht Spuren davon zurückbleiben, wenn die Stengel, lose auf Lkws gestapelt, zu den Fabriken gefahren werden. Auf La Réunion habe ich Zuckerrohr zum ersten Mal unverarbeitet gekostet: ein feuchtes Stück Holz, für das man beim ersten Biss alle Kraft des Kiefers braucht. Dann quillt der süße kühle Saft heraus. Man kaut, saugt bis nichts mehr kommt, spuckt schließlich die Späne aus. Nichts für Gebissträger. Für Originalzähne wahrscheinlich auch nicht das Beste.
Zuckerrohr ist das wichtigste Exportgut des französischen Überseedépartements. Für die Parfumindustrie werden aber auch Vétiver- und besondere Geranien angebaut. Duftpflanzen blühen aber auch einfach an der Straßenecke. Manchmal riecht es so betörend, dass man unweigerlich nach jemandem Ausschau hält, der sich ausgehfein gemacht hat. Dann – immer der Nase nach – entpuppt sich der Urheber als eine Hecke, die in voller Blüte steht
Auch für Bourbon-Vanille ist die Insel berühmt. Die réunionische Küche würzt damit sogar Kartoffel- und Fleischgerichte: Haute Cuisine mit kreolischer Finesse! Die meisten Urlauber kommen jedoch wegen der nicht kultivierten Gewächse: Ein Drittel der Fauna wächst auf La Réunion noch wie zu Urzeiten: Farnbäume und Tamarinden, Kampferlorbeer, Orchideen und Aronkelche, silbrig herabhängende Flechten und bauschiggrünes Moos. Eine Vegetation, an deren Üppigkeit sich das Auge satt sehen kann.
La Réunion ist ein Paradies für Wanderer, Bergsteiger, Mountainbiker, bietet beste Voraussetzungen zum Reiten, Paragliding, Kite- und Windsurfen, Rafting, Canyoning … Und überall wird gejoggt. „La Réunion ist eine Sport-Insel“, informiert uns Jeremy von Connections Réunion am Airport in Saint Denis, wo wir die Vouchés für unsere Rundreise erhalten. Wir hatten drei Stationen ausgesucht, um erst den wenig touristischen Osten, anschließend den Süden und schließlich den badefreundlichen Westen zu erkunden.
Zwar ist das Eiland gerade mal so groß wie unser Bundesland Saarland. Doch von den Ufern aus geht es steil nach oben: Bis zu 3069 Meter ragt die Bergwelt auf, durchfurcht von zahllosen Schluchten, jede trägt einen Namen wie die „Ravine de la Grande Chaloupe“. Kein Ort, der nicht am Meer liegt, der auch nur annähernd per Luftlinienentfernung erreichbar wäre. Es gibt nur eine einzige Straße, die quer über die Insel führt und das auch nur als Ausweichstraße. Die Uferstraße im Südosten ist nämlich immer mal wieder unpassierbar, dann, wenn der 2631 Meter hohe Piton de la Fournaise wieder Lava spuckt, die über die N2 ins Meer fließt. Die meisten touristischen Ziele erreicht man also nur über die vielfrequentierte Uferstraße und die Stichstraßen, die hiervon abzweigen und in vielen Kurven aufwärts führen. Auf dem selben Weg geht’s dann zurück, anders nicht.
Noch mehr lohnenswerte Ziele erreicht man bloß zu Fuß: den Geburtsvulkan Piton de Neige zum Beispiel oder die drei markanten Felsen „trois Salazes“ im Talkessel des Cirque de Cilaos. Hier wird das inseleigene Mineralwasser gezapft. Genauso steht es um die Aussichtsplattform am Rand des grünen „Höllenschlund“, dem Trou de Fer mit seinen vielen Wasserfällen. Gerade hier empfiehlt es sich, früh morgens unterwegs zu sein, sonst ist der Kessel wolkenverhangen. Bei einigen anderen Aussichtspunkten wie z.B. dem Piton Maïdo oder der Gîte de Bélouve hatten wir im September auch später am Vormittag beste Sicht. Eine erfahrene Réunion-Reisende erzählte uns, sämtliche Réunion-Reiseführer seien im November geschrieben, und in dem Monat würde es zutreffen, dass man nur ganz früh am Morgen klare Sicht habe.
Hier geht es zu ein paar schönen Fotos von La Réunion. Das Foto mit der phantastischen Poollandschaft stammt aus dem Hôtel Le Saint Alexis zwischen Saint-Gilles-Les-Bains und Saint-Paul.
Eine sehr schöne Wanderung über viele Holzstege und Treppen, bei der wir am Ende aber kein Glück hatten, weil das „Höllenloch“ vernebelt war, hat Klaus hier getrackt:
Diese Wanderung enthält tolle Bademöglichkeiten: